Stephan Nikolai Herrmann

Komponierender Bratscher und Softwareentwickler

Stephan Nikolai Herrmann

Stephan Nikolai Herrmann:

Ich spiele seit 1993 als Bratscher in der sinfonietta92. Aufgewachsen bin ich als Sohn des Domorganisten in Schleswig. Mit sieben Jahren fing ich an, Geige zu spielen. Meine Versuche, das Klavierspiel systematisch zu lernen, habe ich nach wenigen Unterrichtsstunden abgebrochen. Da ich dennoch davon begeistert war, auf dem Klavier große Akkorde und spannende harmonische Wendungen zu spielen, fing ich an, mir selber meine Musik auszudenken.  Daraus wurde allmählich meine Fantasie für Klavier op. 1 (letzte Fassung 1982). Daraufhin arbeitete ich mich schrittweise an ein dreisätziges Streichquartett (op. 4) heran. Nach kleineren Werken folgte 1986 und 1888 jeweils ein Werk für Orgel. Während die Choral-Toccata op. 8 im Schleswiger Dom öffentlich aufgeführt wurde, habe ich wohl mit der Phantasie op. 7 das Instrument etwas überfordert – sie blieb unaufgeführt.

Gegen 1992 wechselte ich von der Geige auf die Bratsche, mit deren Klang ich meine Stimme in Orchester und Kammermusik fand. Einige Jahre später habe ich dann die Phantasie op. 7 wieder hervor geholt, und sie für kleines Orchester bearbeitet (op. 7a). Dabei orientierte ich mich in der Wahl der Besetzung an der sinfonietta92. Für weitere Kompositionen ließen mir mein Beruf als Softwareentwickler und das aktive Musizieren allerdings (vorerst) keine Zeit.

Die Grundzüge der Harmonielehre habe ich schon früh im Familienalltag erfahren, aber darüber hinaus bin ich im Komponieren Autodidakt. Mit meinen ersten Kompositionen habe ich einen romantischen Tonfall in weitgehend klassischer Dur-moll-Tonalität ausgelotet, stets mit einer Vorliebe für überraschende harmonische Wendungen. Die Phantasie op. 7 markiert den Punkt, wo ich mich von der Dominanz und Eindeutigkeit einer Grundtonart frei mache, ohne dabei vollends atonal zu werden. In der Bearbeitung für Orchester lege ich zusätzliche Schichten über das Notenmaterial, und provoziere dabei bisweilen den Konflikt zwischen den verschiedenen Ebenen der Partitur. Ich hatte mir ein paar formale Kriterien gesetzt, nach denen das Werk zum Teil rational konstruiert, ertüftelt wurde. Trotzdem sehe ich in diesem Stück in seiner rhapsodischen Form ein sehr persönliches Bekenntnis unsteter und widersprüchlicher Empfindungen.

Am Rande einer Probenphase hat sich die sinfonietta92 probeweise mit der Phantasie beschäftigt und darauf hin beschlossen, dieses Werk im Frühjahr 2020 unter der Leitung von Mariano Domingo uraufzuführen.